Ostseitiges Biforienfenster
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Vorteile der ostseitigen Lage
Ein Biforienfenster – eine zweigeteilte Öffnung, getrennt durch eine mittlere Säule – ist in die östliche Wand eines höher gelegenen Wohnraums im Kapellenturm eingelassen. Es vereint praktische Vorteile mit einer subtilen symbolischen Bedeutung.
Reichliches Morgenlicht
Nach Osten ausgerichtet, lassen die beiden Öffnungen mehr frühes Tageslicht ein als ein einzelnes Fenster. Dies trägt dazu bei, den dickwandigen Innenraum aufzuhellen und macht den Raum am Morgen besser nutzbar und angenehmer.
Subtile spirituelle Bezüge
Der Osten ist mit dem Sonnenaufgang und Neubeginn verbunden. Im christlichen Glauben kann er auch für die Auferstehung stehen. Die zweiteilige Fensterform deutet zudem auf Harmonie und Einheit hin.
Ausgewogene Konstruktion und elegante Gestaltung
Jede Öffnung wird von einem Rundbogen abgeschlossen, wobei die kleine Mittelsäule das darüberliegende Mauerwerk trägt. Diese Bauweise verteilt die Last wirkungsvoll und ermöglicht eine breitere Fensteröffnung, ohne die Wand zu schwächen. Gleichzeitig entsteht eine feinere und dekorativere Fassade.
Bessere Luftzirkulation und erweiterte Aussicht
Die doppelte Öffnung verbessert die Belüftung, da frische Luft leichter zirkulieren kann. Zugleich bietet sie eine breitere Aussicht, während die Mittelsäule weiterhin ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermittelt.
Ein Zeichen von Status
Biforienfenster waren aufwendiger und kostspieliger herzustellen als einfache Öffnungen. Ihr Vorhandensein weist häufig darauf hin, dass der Raum eine besondere Bedeutung hatte – ein Wohnraum mit gesteigertem Repräsentationsanspruch.
Zusammenfassung
Dieses Biforienfenster verstärkt die Vorteile seiner ostseitigen Lage – es bringt mehr Licht, Luft und visuelle Präsenz in den Raum – und bewahrt zugleich die konstruktive Stabilität, während es ein höheres Maß an architektonischer Ausarbeitung zum Ausdruck bringt.
Ursprüngliche Steinstruktur vs. Spätere Holzrahmen-Ergänzung
Ursprüngliche Steinstruktur
Dies ist ein Biforenfenster mit zwei rundbogigen Öffnungen, die durch einen zentralen steinernen Mittelpfosten getrennt sind. Es ist in eine tiefe, auswärts geneigte Laibung gesetzt und wird von einem inneren Entlastungsbogen getragen.
Spätere Holzrahmen-Ergänzung
Ein später eingesetzter verglaster Holzrahmen mit kleinen Scheiben wurde hinzugefügt, wodurch zusätzliche vertikale Glieder entstehen, die nun ein schmales zentrales Feld bilden und dem Fenster von innen ein dreiteiliges (tripartites) Erscheinungsbild verleihen.
Innere Merkmale des biforen Fensters
Entlastungsbogen (innen)
Ein breiter Entlastungsbogen überspannt das Fenster und trägt das Gewicht des darüberliegenden Mauerwerks.
Zwei Rundbögen
Jede Lichtöffnung besitzt einen eigenen Rundbogen, der vom Mittelpfosten und den Laibungen ausgeht.
Verglaste Holzrahmen
Das Fenster enthält hölzerne Rahmen mit kleinen Glasscheiben (Sprossenverglasung), die später eingesetzt wurden.
Innere Sohlbank
Eine steinerne Sohlbank bildet den unteren Abschluss der Öffnung.
Tiefe Fensternische (schräg geweitete Laibung)
Das Fenster liegt in einer tiefen, nach innen geweiteten Fensternische, wodurch mehr Licht in den Raum gelangt.
Laibungen
Die Seitenflächen bestehen aus schlichten, verputzten und leicht geneigten Laibungen.
Mittelpfosten
Ein steinerner Mittelpfosten trennt die beiden Lichten und trägt die darüberliegenden Bögen.

2 | zwei gerundete Innenbögen
3 | zwei Lichtöffnungen (Zwillingsfenster)
4 | tiefe Laibung
5 | Wandlaibung
6 | Gewände (seitliche Wände der Öffnung)
7 | innere Fensterbank


Äußere Merkmale des ostseitigen biforen Fensters
Bifores Fenster (zweiteilige Öffnung)
Das bifore Fenster besitzt zwei nebeneinanderliegende Öffnungen (Lichten).
Mittelpfosten
Die beiden Lichten werden durch einen zentralen Steinpfosten (Mittelpfosten) getrennt.
Rundbögen
Jede Lichtöffnung wird von einem eigenen Rundbogen überfangen. Diese Bögen setzen am Mittelpfosten und an den seitlichen Laibungen an.
Laibungen
Die seitlichen Begrenzungen der Öffnung werden durch steinerne Laibungen gebildet.
Gemeinsame Sohlbank
Beide Lichten stehen auf einer gemeinsamen steinernen Sohlbank.
Tief eingesetzte Öffnung
Das Fenster ist tief in eine dicke Mauer eingesetzt und bildet eine deutlich erkennbare Laibung.
Steinausführung
Das Fenster besteht aus bearbeitetem Stein und ist in ein unregelmäßigeres Mauerwerk eingefügt.
Eisengitter
Die Metallgitter in den Öffnungen sind spätere Ergänzungen zum Schutz.

2 | zwei gerundete Außenbögen
3 | Mittelpfosten (zentrale steinerne Trennung)

Entwicklung durch architektonische Epochen
Romanik (ca. 10.–12. Jahrhundert)
Gebäude hatten kompakte, massive Proportionen.
Die Bögen waren rundbogig.
Die Wände waren dick und wiesen kleine Öffnungen auf.
Die Mittelsäule war kurz und kräftig und nur wenig dekoriert.
Gotik (ca. 12.–16. Jahrhundert)
Fenster wurden höher und schlanker.
Spitzbögen ersetzten Rundbögen.
Masswerk und feinere Steinbearbeitung wurden eingeführt.
Es bestand eine stärkere Betonung von Licht und Vertikalität.
Renaissance (ca. 15.–17. Jahrhundert)
Es kam zu einer Rückkehr zu klassischem Gleichgewicht und Symmetrie.
Rundbögen traten wieder auf.
Die Dekoration wurde zurückhaltender und an Proportionen orientiert.
Historismus (ab dem 19. Jahrhundert)
Historische Formen wurden in neugotischer und neuromanischer Architektur neu interpretiert.
Die Zweiteilung des Fensters blieb als historisches Motiv erhalten.