Museumsebenen vs. Exponate
Stadtmuseum Friesach
(Kapellenturm Museum)
Der imposante Wohnturm der Burganlage am Petersberg in der Stadtgemeinde Friesach wurde zwischen 1180 und 1230 errichtet. Der Turm ist 28,3 Meter hoch, und jede der übereinanderliegenden Museumsebenen umfasst nahezu 100 m². Beim Betreten des Turms gehen die Besucher zunächst davon aus, dass es sich lediglich um ein kleines Museum handelt. Umso größer ist ihr Erstaunen, wenn sie auf die 127 Stufen hingewiesen werden, die durch weitere Räume bis hinauf in das Dachgeschoß führen.
Auf der ersten Ebene des Museums wird die Geschichte der Stadt Friesach dokumentiert. Ein wesentlicher Bereich ist der Kärntner Landesheiligen Hemma von Gurk gewidmet, die Gräfin von Friesach und Zeltschach war. Der Bergbau – in der Umgebung von Friesach wurden Eisen und Silber abgebaut – führte schließlich zur Prägung des Friesacher Pfennigs, der aufgrund seines hohen Silbergehalts zu einem äußerst begehrten und weit verbreiteten Zahlungsmittel wurde.
Auf der zweiten Ebene des Museums wird die Geschichte Friesachs bis ins Spätmittelalter fortgeführt. Zentraler Punkt des Raumes ist ein Stadtmodell, das auf einem Stich von Merian aus dem Jahr 1649 basiert und die eindrucksvollen Befestigungsanlagen, Kirchen und Klöster zeigt. Ein großer Teil der Präsentation ist dem für die Stadt besonders bedeutenden Handwerk gewidmet. Friesach ist bekannt für die älteste Zunftordnung (1235), nämlich jene der Lederer und Schuster. Das legendäre Turnier zu Friesach im Jahr 1224, das von Ulrich von Liechtenstein im ersten Ich-Roman der deutschen Sprache (Strophen 177 bis 312) geschildert wird, ist ebenso anschaulich dargestellt wie die mittelalterliche jüdische Gemeinde Friesachs.
In der Rupertikapelle auf der dritten Ebene des Museums (3A) wird das Kunstschaffen der Romanik und Gotik anhand ausgewählter Exponate präsentiert, die als Leihgaben des Kollegiatkapitels St. Bartholomäus sowie der Dominikaner zur Verfügung gestellt wurden.
Von besonderer Bedeutung ist das berühmte „Romanus-Fresko“ aus der Zeit um 1140, das ursprünglich in der Apsis der Gebhardkapelle angebracht war, ebenso wie die Kaseln (liturgische Gewänder) aus dem Besitz der Petersbergkirche. Den zentralen Punkt der Kapelle bildet ein Flügelaltar aus dem 16. Jahrhundert. Dessen Schrein, der das Jüngste Gericht darstellt, stammt aus der Leonhardkapelle in Metnitz. Eine romanische Steinplastik der Maria lactans sowie eine gotische Pietà vervollständigen den eindrucksvollen Gesamteindruck des Raumes.
Besonders eindrucksvoll sind die Freskenfragmente aus dem Beginn des 13. Jahrhunderts (3B – Virtuelle Ebene).
Die vierte Ebene des Museums, der ehemalige Wohnraum mit offenem Kamin, ist dem Leben der Friesacher Bürger vom Beginn der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert gewidmet.
Auf der fünften Ebene des Museums wird eine bedeutende Sammlung von Zinn, Glas und Porzellan sowie von Waffen und Schützenscheiben gezeigt.
Ausblicke zwischen den Zinnen nach Norden, Osten und Süden ermöglichen den Museumsbesuchern, die Stadt selbst sowie die umliegende Landschaft aus der Vogelperspektive zu betrachten.
