Der Bergfried
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Entstehung und Baugeschichte
Nachdem der ältere Bergfried – auch Donjon genannt – einem Brand zum Opfer gefallen war, ließ der Erzbischof um 1180–1190 einen neuen Wohn- und Wehrturm errichten.
Die ersten vier Geschoße wurden um 1200 fertiggestellt und bildeten den romanischen Kernbau.
Das Wohngeschoß sowie die Erhöhung des Wehrplateaus entstanden um 1225/30 und verliehen dem Turm sein eindrucksvolles, wehrhaftes Erscheinungsbild.
Verfall und Aufgabe
Im Jahr 1803 wurde die Nutzung des Bauwerks aufgegeben, womit eine lange Phase des Verfalls begann.
Bereits 1826 – zu diesem Zeitpunkt war der Turm dachlos – entfernte man im Zuge erster Devastierungen alle verbliebenen Holzteile.
1844 stürzten die Gewölbe ein, und die einst prächtigen romanischen Wandmalereien sowie die Stuckierungen der Ruperti-Kapelle waren bereits großteils zerstört.
Rettung und Sanierung
1892 war das Bauwerk bereits zur Abtragung ausgeschrieben, doch der Friesacher Stadtverschönerungsverein, gegründet 1881 von Hubert Hauser, konnte durch den Ankauf um 2.800 Gulden die wertvolle Bausubstanz am Petersberg retten.
Mit Unterstützung der k.k. Zentral-Kommission und einer staatlichen Subvention wurde der mächtige Turm nach dem Vorbild des Merian-Stichs von 1649 restauriert.
Dokumentation
Zeichnungen, Rekonstruktionsvorschläge, Stiche und Fotografien – heute im Stiegenaufgang ausgestellt – dokumentieren die bauliche Entwicklung dieses beeindruckenden romanischen Wehrturms und machen seine Geschichte für Besucherinnen und Besucher anschaulich nachvollziehbar.





Die Kapellen
Gebhardskapelle (auch Konradskapelle genannt)
Rupertikapelle
Gebhardskapelle
Bauhistorische Forschungen haben ergeben, dass der später errichtete Kapellenturm an seiner Westseite ältere Mauerpartien integriert. Diese ältere Bausubstanz gehört zu einem Bauwerk, das in den Quellen als Gebhardskapelle bezeichnet wird.
Die Gebhardskapelle war ursprünglich ein turmartiger Bau mit drei Geschossen. Der Kapellenraum befand sich im zweiten Obergeschoss. Teile dieser Struktur sind innerhalb der Bausubstanz des Kapellenturms erhalten.
Naturwissenschaftliche Untersuchungen haben die Datierung des Bauwerks präzisiert. Dendrochronologische Untersuchungen an erhaltenen Holzbauteilen zeigen, dass der Bau nach 1089 errichtet wurde, also nach dem Tod von Erzbischof Gebhard († 1088).
Die im ehemaligen Kapellenraum erhaltenen Fragmente von Wandmalerei werden stilistisch in die Zeit um 1130–1140 datiert und der Zeit Erzbischofs Konrad I. zugeschrieben. Die Bezeichnung „Gebhardskapelle“ weist somit nicht darauf hin, dass die Kapelle noch zu Lebzeiten Erzbischof Gebhards errichtet wurde. Der Name stellt vielmehr eine spätere Zuschreibung dar und ist kein direkter Beleg für seine Stiftung oder Bauherrschaft.
Historische Beschreibungen überliefern darüber hinaus, dass sich in der Kapelle einst eine bedeutende romanische Wandmalerei befand, darunter eine Darstellung des heiligen Romanus von Rouen. Das Fresko ist am ursprünglichen Ort nicht mehr erhalten. Es wurde aus der Gebhardskapelle entfernt und wird heute im Stadtmuseum Friesach aufbewahrt.
In der Zusammenschau kennzeichnen die archäologischen Befunde und die historischen Quellen die Gebhardskapelle als einen frühen Sakralbau innerhalb der Burganlage Petersberg sowie als Bestandteil der romanischen Baugeschichte von Friesach.
Rupertikapelle
Die Rupertikapelle ist die spätere und größere Kapelle, die in das vierte Geschoss des Bergfrieds eingebaut wurde und um 1200 entstand.
Dieser monumentale Kapellenraum war mit romanischen Fresken geschmückt, die den hl. Rupert, den hl. Virgil sowie Szenen des Letzten Abendmahls darstellen.
Die Kapelle war ursprünglich mit einem Kreuzrippengewölbe überdeckt.
Unter Erzbischof Eberhard II. von Salzburg (1200–1246) erfuhr sie eine weitere bauliche Erweiterung und künstlerische Ausgestaltung.
Die Fresken und Stuckarbeiten wurden im 19. Jahrhundert weitgehend zerstört, doch Zeichnungen und Fotografien bewahren ihr ursprüngliches Erscheinungsbild.
Die Rupertikapelle stellt somit die Hauptkapelle innerhalb des Bergfrieds und den Höhepunkt der romanischen Baukunst auf dem Petersberg dar.
Zusammenfassung | Kapellen
Gebhardskapelle (auch Konradskapelle genannt): Diese Kapelle war die früheste auf dem Petersberg (11.–12. Jahrhundert) und steht in Verbindung mit den Erzbischöfen Gebhard I. und Konrad I. von Salzburg. Teile des Mauerwerks der Gebhardskapelle wurden später in die Westwand des Kapellenturms integriert.
Rupertikapelle: Diese Haupt- und spätere Kapelle im Bergfried (um 1200–1230) war reich mit romanischen Fresken geschmückt. Sie stellt den Höhepunkt der sakralen Baukunst auf dem Petersberg dar.