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Zünfte und Bruderschaften

Lesezeit: 1:12 min

Aufstieg von Handwerk und Handel

Ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung Friesachs zur Stadt war das Vorhandensein zahlreicher kleiner Handwerksbetriebe, die in Zünften organisiert waren. Geschickte Handwerker, Fernhändler und Unternehmer aus dem Bergbau ließen sich in Friesach nieder und bildeten Gemeinschaften, aus denen sich eine wohlhabende Bürgerschaft entwickeln konnte.

Die älteste Zunft Kärntens

Friesach kann für sich beanspruchen, die älteste Handwerkerzunft Kärntens gegründet zu haben. Im Jahr 1235 – und wahrscheinlich bereits um 1220 – bestätigte Erzbischof Eberhard II. die Statuten der Bruderschaft der Schuhmacher und Gerber, die zu diesem Zeitpunkt bereits bestand. Diese Bestätigung belegt die frühe Organisation und Bedeutung der Friesacher Handwerkerschaft innerhalb des Landes.

Zunft | Bedeutung und Funktion

Das Wort Zunft leitet sich vom althochdeutschen ziemen ab, was „sich ziemen“ oder „angemessen sein“ bedeutet. Es bezeichnete die Anerkennung gemeinsamer Regeln und Gesetze innerhalb der Gemeinschaft sowie die Regelung der Ausbildung, Zulassung und Niederlassung von Lehrlingen und Meistern. Die Mitgliedschaft verband somit berufliche Qualität mit bürgerlicher Verantwortung.

Religiöse und soziale Dimensionen

Im Mittelalter verstanden sich die Zünfte nicht nur als berufsständische Vereinigungen, sondern auch als religiöse und soziale Bruderschaften. Sie verfügten über eigenes Vermögen, organisierten gemeinsame Feste und unterhielten Altäre oder Kapellen zu Ehren ihrer Schutzheiligen. Die Zugehörigkeit bot sowohl materielle Sicherheit als auch gemeinschaftlichen Glauben und Zusammenhalt.

Regionale Bedeutung

Der Einfluss der Friesacher Zünfte reichte weit über die Stadtgrenzen hinaus. Handwerker aus der weiteren Umgebung traten ebenfalls den lokalen Bruderschaften bei, wodurch Friesach zu einem Zentrum des Handels und der handwerklichen Zusammenarbeit wurde.

Die in Friesach während des 13. und 14. Jahrhunderts festgelegten Maße und Gewichte galten in ganz Kärnten als verbindlich und zeigen die dauerhafte Bedeutung der Stadt für Handel und Handwerk in der gesamten Region.